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Facing K2

„Manchmal habe ich das Gefühl, ein Fahrrad ist wie ein Zauberstab, der Sprachbarrieren, Berührungsängste und kulturelle Unterschiede wegzaubern kann.“

Letztes Jahr hat sich Qloom Ambassador Gerhard Czerner zusammen mit Jakob Breitwieser und Fotograf Martin Bissig aufgemacht, um in Pakistan ein unvergessliches Bike-Abenteuer zu erleben. Daraus entstanden ist der beeindruckende Film Facing K2. Mit Qloom hat Gerhard über die Strapazen der Reise, die Gastfreundschaft der Pakistani und die unvergesslichen Naturgewalten gesprochen.

Wie entscheidest du dich für deine Reiseziele, bzw. wieso hast du dich für Pakistan entschieden?

Ich habe das Privileg, mir viele meiner Reiseträume erfüllen zu können. Ich war schon in vielen Gebirgen dieser Welt unterwegs: den Alpen, den Anden, dem Tien Shan, dem Kaukasus, im Himalaya, da war ich auch am Base Camp des Mount Everests mit meinem Fahrrad. Pakistan mit dem Karakorum stand schon seit meiner Jugend auf meiner Wunschliste. Zum „Thronsaal der Berggötter“, wie der Concordia Platz auch genannt wird, an Fuß des K2, da wollte ich unbedingt noch hin. Ich bin sehr dankbar, dass ich mir diesen Wunsch erfüllen konnte.

Wie hast du dich auf diese Reise vorbereitet?

Es war klar, dass wir unsere Fahrräder viel tragen und schieben werden, vor allem bergauf. Daher bin ich vorab viele lange Bergtouren gegangen. Zusätzlich habe ich alpine Touren mit dem Bike unternommen, wo ich es eben auch mal lange auf den Schultern tragen musste. Ebenso wichtig ist für mich die mentale Vorbereitung, dass man sich klarmacht, was einen erwarten könnte. Aber um ehrlich zu sein: Wir hatten nicht mal eine blasse Ahnung davon.

Du warst mit Jakob Breitwieser und Martin Bissig unterwegs. Wie viele Guides waren zusätzlich bei dieser Reise dabei?

Es war noch ein Guide dabei, Isaak. Mit über 60 Jahren, extrem fit und immer für einen Spass zu haben. Dazu hatten wir bis zum Concordia Platz Unterstützung von vier Trägern. Dort haben nochmal drei Pakistani mit zwei Eseln auf uns gewartet. Ohne diese Unterstützung der hilfsbereiten Mannschaft wären wir niemals bis nach Askole gekommen. Essen und Brennstoff für 16 Tage, Zelte, Schlafsäcke, Bekleidung für Temperaturunterschiede von -20 Grad nachts bis +25 Grad tagsüber, die Kletterausrüstung für den Pass – All das hätten wir nie alleine transportieren können.

 

Wie habt ihr euch während der Tour orientiert?

Das war einfach: dem Gletscher entlang hoch. Über den „niedrigsten Punkt“ von 5600m auf die andere Seite und dann den Gletscher entlang runter. Wenn wir uns hätten verlaufen wollen, hätten wir zwangsläufig einen 6-, 7- oder 8000 Meter hohen Berg überschreiten müssen. Und wir hatten ja Isaak dabei. Er kennt dort jeden Stein.

Gab es Situationen, in denen es gefährlich wurde?

Das gefährlichste in Pakistan war sicher das Autofahren. In der Braldu Schlucht ist die Straße hunderte Meter über dem Fluss in den Felsen gehauen. Spiegel einklappen links, rechts geht es direkt neben den Rädern in die Tiefe. Da darf nichts dazwischenkommen. Hin und wieder stürzt hier auch ein Jeep ab. Kurz später hatten wir erfahren, dass die Bremsen von unserem Jeep versagt hatten. Der Fahrer ist mit Hand- und Motorbremse weitergefahren. In der Mittagspause haben sie die Bremsanlage mit Milch gefüllt, da Bremsflüssigkeit Mangelware ist! Ehrlich: Ganz wohl war uns nicht. Es hat aber funktioniert. Zumindest bis uns 15 Minuten später das Benzin ausgegangen ist auf der Strecke...

Beim Aufstieg zum Gondogoro La hattest du etwas zu kämpfen, wie pusht du dich da mental, um weitermachen zu wollen?

Es hilft ja nix. Ich wollte dort hin, also muss ich auch durch. Es hilft, den Anstieg in kleine Etappen einzuteilen, sich auf die Atmung zu konzentrieren und dann einfach weitermachen. Aus Erfahrung weiß ich, dass wir zu viel mehr fähig sind, als wir denken. In solchen Situationen muss man die Komfortzone verlassen und die negativen Gedanken beiseitelegen.

 

Ihr habt einige Höhenmeter zurückgelegt. Was macht das mit dem Körper, denkt man da schon mal ans Aufgeben?

Aufgeben? Nein. Hätte ja nix gebracht. Dann wären wir auf einem Gletscher in Pakistan verendet. Das ist ja auch das Spannende, wenn man sich derart exponiert. Es gibt kein Netz, keinen doppelten Boden. Man ist für die Entscheidungen, die man trifft verantwortlich und muss die Konsequenzen tragen, sich selbst helfen. Es gibt keine Bergrettung, niemanden, der einen aus der Situation holt. Man kann nicht wie in einem Computerspiel die Escape-Taste drücken und ist raus. Wie hat Isaak immer so schön gesagt: „This is no city. This is mountain adventure!“

Musstet ihr auf dieser Höhe speziell auf die Ernährung achten?

Die Ernährung war ein interessantes Thema. Frühstück und Abendessen waren echt immer gut und reichhaltig. Unterwegs gab es ein Lunchpaket, das aus Folgendem bestand: einer Kartoffel, einem Chapati (ein kleines Fladenbrot), einem Stückchen Käse, ein paar Rosinen und Nüssen. Damit haben wir dann oft zehn Stunden und mehr aushalten müssen. Auch an unserem längsten Tag, der über den Gondogoro La führte und wir 21 Stunden unterwegs waren, gab es dieses „reichhaltige“ Paket. Zusätzlich noch einen Becher Nudelsuppe an einem Camp. An manchen Tagen waren wir echt hungrig unterwegs.

Im Video erwähnt ihr immer mal wieder die Gastfreundschaft. Denkst du nun anders über Pakistan?

Auf alle Fälle. Egal ob wir bereits in einem Land waren oder nicht, durch die Medien haben wir von den meisten Ländern irgendein Bild im Kopf. Das wurde uns bereits am ersten Nachmittag gehörig übermalen. Noch nie haben sich so vielen Menschen bei mir bedankt, dass ich ihr Land bereise. Ehrliche Freundlichkeit, ohne uns Dinge verkaufen zu wollen, ist uns an allen Ecken begegnet. Wir haben uns nicht eine Sekunde unsicher bei den Menschen dort gefühlt.

 

Was hat dich am Land am meisten fasziniert?

Neben dem herzlichen Empfang war es die ungezähmte Natur. Die gewaltigen Berge, welche wie Hochhäuser senkrecht in den Himmel ragen. Geformt wie ein Kind Berge zeichnet: spitz zulaufend bis ganz oben. Die Granitriesen sind wirklich richtig beeindruckend.

Was nimmst du von dieser Reise speziell mit?

Da gibt es Vieles. Das veränderte Bild vom Land und seiner Bevölkerung. Das Erleben der Naturgewalten. Die Tatsache, dass wir uns vor den Dingen fürchten, wenn wir darüber nachdenken, aber wenn wir einmal drinstecken, dann ist es meist nicht so schlimm. Hätte mir Zuhause jemand gesagt, ich werde 21 Stunden am Stück unterwegs sein, eine fast senkrechte, vereiste Wand mit meinem Rad am Buckel dabei überwinden... Ehrlich, ich wäre glaube ich gar nicht dorthin geflogen vor lauter Respekt. Aber es war möglich. Auch die gute Zusammenarbeit im Team war sehr speziell. Trotz der Anstrengungen, jeder kam mal an sein Limit, hatten wir immer einen respekt- und humorvollen Umgang miteinander. Bei solchen Unterfangen darf mal sich selbst nicht zu ernst nehmen.

Welche Feature hast du während der Tour an der Qloom Bekleidung speziell geschätzt?

Die Merino Midlayer sind perfekt für solche Unternehmungen. Das Aussenmaterial der Hosen ist extrem strapazierfähig. Das überrascht und begeistert mich immer wieder aufs Neue. Ich bin sehr froh über die gute Ausrüstung, sodass ich mir darüber unterwegs keine Gedanken machen muss. Anziehen und es funktioniert.

 

Ihr musstet das Bike oft tragen. Würdest du das Bike trotzdem wieder mitnehmen?

Ähm, ich glaube nein. Aber ich bin sehr froh, dass wir es dabeihatten. Die Begegnungen waren anders. Die Pakistani sind uns durchwegs begeisternd begegnet, eben weil wir die Fahrräder dabeihatten. Die leuchtenden Kinderaugen, als wir in den Dörfern unterwegs waren und sie auf unseren Bikes fahren durften. Das alles hätten wir nicht erlebt, wenn wir zu Fuss unterwegs gewesen wären. Manchmal habe ich das Gefühl, ein Fahrrad ist wie ein Zauberstab, der Sprachbarrieren, Berührungsängste und kulturelle Unterschiede wegzaubern kann.

Welche Rückschlüsse wirst du bei der Planung der nächsten Reise vermehrt beachten?

Mit der Planung waren wir durchwegs glücklich. Es ist sich so ausgegangen, wie wir uns das vorgestellt haben. Eine gewisse Flexibilität vor Ort braucht es immer. Vielleicht werde ich mir in Zukunft ein paar Energieriegel in den Rucksack stecken für unterwegs.

Fotos: Martin Bissig