loading

On top of Afrika

Noch nie zuvor wurden die zwei höchsten Berge Afrikas mit dem Bike befahren!

Der Kilimandscharo ist neben dem Mt. Everest wohl einer der bekanntesten Berge der Erde. Dessen Besteigung mit dem Bike mehr Expedition als Radtour. Fünf Tage haben wir uns zum Gipfel gekämpft und nicht nur einmal haben wir gezweifelt, ob wir unser Ziel erreichen werden.

Die Welt ist auf den Lichtkegel meiner Stirnlampe reduziert.

Das Bike balanciere ich auf meinem Rucksack liegend, die Stöcke in meinen Händen geben mir zusätzlich Halt im losen Untergrund. Mein Atem ist mit den kleinen Schritten synchronisiert. Sonst existiert nichts im Moment, rein gar nichts. Das Hirn ist leer und ich versuche möglichst viel Luft in meine Lungen zu pumpen. Bei einer kurzen Pause treffe ich auf meine Mitstreiter: Danny McAskill und Hans Jörg Rey kämpfen sich schwer atmend mit mir um 4Uhr nachts Richtung Uhuru Peak, der höchsten Erhebung am Kilimandscharo Massiv.

Bereits um 1 Uhr sind wir an unserem Camp neben der „Kibo Hut“ auf 4.700 m gestartet. Über Nacht hat es 15 cm geschneit. Kurz hatten wir überlegt, ob wir unseren Gipfeltag deshalb verschieben, uns dann aber entschlossen doch zu gehen. Die letzte Etappe des Aufstiegs zum Gipfel ist steil und lang. Darum haben wir gestern bereits unsere Bikes in einer Höhle, etwa 500 hm über dem Camp gelegen, deponiert. Bis dorthin war es heute Morgen angenehm zu laufen. Jetzt, mit dem zusätzlichen Gewicht der Bikes, geht es ziemlich langsam voran.  

Gerade zur rechten Zeit beginnt die Sonne den Berg in ein Lichtspektakel zu verwandeln, das seinesgleichen sucht. In sämtlichen Rottönen schimmern die Wolken und der Schnee um uns herum. Ein wahrlicher Motivationsschub, den wir auch dringend brauchen. Am Kraterrand des Vulkans angekommen, sehen wir den Gipfel in greifbarer Nähe. Die letzten Meter ist es uns möglich zu pedalieren, da das Gelände nur leicht ansteigt. Völlig außer Atem fallen wir uns auf 5.895 m, dem höchsten Punkt von Afrika, in die Arme!

Es war ein langer Weg hierher.

Begonnen hat er bereits vor über einem Jahr mit den Vorbereitungen. Verschiedene Möglichkeiten der Akklimatisation zur Anpassung des Körpers an die Höhe haben wir uns angeschaut, doch letztlich erst eine Woche vor Abflug die Besteigung des Mt. Kenia dafür auserkoren. Dort konnten Hans und ich den höchsten ohne Seil zu erreichenden Punkt, Point Lenana 4.985 m, den sogenannten „Trekkinggipfel“, mit unseren Bikes befahren. Danny, als Einziger völlig unerfahren in der Höhe, hatte hier mit Höhenkrankheit zu kämpfen und war leider nicht mit uns am Gipfel. Von Kenia ging es, dann wieder zu dritt, mit dem Bus nach Tanzania, unserem zweiten Berg entgegen.

Insgesamt fünf Etappen waren es hier für uns bis zum Gipfel. Der erste Tag hatte 1.800 hm Aufstieg auf einer steilen, oft unfahrbaren Rettungsstraße zu bieten. Wir blieben zwei Nächte an der „Horombu Hut“ auf 3.700 m. Nach einem Akklimatisationstag ging es weiter hinauf zur riesigen, sogenannten „Kibo Wüste“, eine wüstenartige Hochfläche, aus welcher sich der Vulkankegel mit den höchsten Punkten im Kilimandscharo Massiv erhebt. Beim ersten Anblick der steilen Hänge zweifelten wir alle, was wir hier mit unseren Bikes verloren hatten. Der nicht enden wollende Marsch über den extrem weichen Untergrund der Hochebene führte uns schließlich zur „Kibo Hut“. Der gestrige Anstieg zur „Hans Meyer Cave“, der Höhle, in welcher wir unsere Bikes deponiert hatten, war ein weiterer Tag, um uns noch besser an die Höhe anzupassen.

Und nun, nach 8 Stunden Anstieg, stehen wir hier oben und können es kaum fassen. Wolkenfetzen umgeben uns und eröffnen abwechselnd den Blick in den riesigen Krater mit den wenigen, übrig gebliebenen Gletscherresten und den Ausblick auf die tief unten liegende Steppe auf der anderen Seite. Gegenüber taucht hin und wieder der „Mt. Meru“, der zweithöchste Berg Tansanias (4.566 m), aus dem Wolkenmeer auf.

Für Bergsteiger beginnt hier der mühsame Abstieg, für uns eine fast 5.000 hm lange Abfahrt! Wir sind uns einig, dass wir so viel wie möglich fahrend zurücklegen wollen und jetzt die Belohnung kommt, das Extragewicht der Fahrräder hierher geschleppt zu haben. Bergauf war oft nicht an fahren zu denken. Bergab stellt uns das Gelände nur in wenigen Fällen vor unlösbare Aufgaben. Die steilen Schotterhänge über der „Kibo Hut“, welche so abweisend auf uns gewirkt haben, stellen sich sogar als äußerst spaßig heraus. Wie auf Skiern wedelnd fahren wir die weiten Hänge in freier Linienwahl hinunter.

„Big Mountain Riding“ auf

5.000 Meter, ein Traum!

Wir verbringen noch eine Nacht im Camp und nehmen die weitere Abfahrt unter die Räder - zurück durch die „Kibo Wüste“ in Richtung „Horombu Hut“.

Das Atmen fällt hier wieder leichter und so schöpfen wir aus vollen Lungen und geben Gas. Große Felsblöcke vulkanischen Ursprungs säumen den Weg. Strauchgewächse wuchern zwischen ihnen und zeigen an, dass wir in tiefere Regionen kommen.  Auf der holprigen Rettungsstraße tauchen wir in den Dschungelgürtel ein, welcher den Fuß des Berges säumt.

Die kleine Holzterrasse einer Bar am Wegesrand unter Bananenpalmen bietet sich als Endpunkt der unvergleichlichen Abfahrt geradezu an. Nur der Slogan des einheimischen Bieres, das natürlich „Kilimanjaro“ heißt, passt nicht zur sonst perfekten Szenerie:

„If you can not climb it, drink it.“  Für uns müsste es heißen: „If you can bike it, drink it.“